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Monochrome sind ein Phänomen. Seit 14 Jahren veröffentlicht die Band eine tolle Platte nach der anderen, wird mit der Zeit immer poppiger und vor allem melodischer, eingängiger, könnte somit locker in jeder Indie-Disco rauf- und runtergespielt werden. Fast ebensolange ist die Lieblingsfrage der Musikjournaille »Warum haben die eigentlich nicht den riesigen Erfolg, wo bleibt der Durchbruch?« unebantwortet geblieben. Um es direkt zuzugeben: Das wird sich hier nicht ändern. Auch mir bleibt das rätselhaft.
»Caché« ist der neueste Meilenstein der Band aus Stuttgart und Basel. Die Sängerin wurde wieder mal gewechselt; Kate Complicate sorgt nun für die gänsehauterzeugenden Duett-Parts mit Sänger Marc Calbach. Sonst hat sich an der Besetzung nichts geändert – noch immer schickt man sich Sound- und deutsch/englische/französische Textideen über die deutsch-schweizerische Grenze und trifft sich viel zu selten zum gemeinsamen Proben. Monochrome haben in dieser Beziehung tatsächlich mehr Ähnlichkeit mit den oft kooperativ übers Internet arbeitenden Produzenten elektronischer Musik als mit herkömmlichen Indie/Hardcore/Punk-Bands.
Überhaupt, die alte Szene. Als Monochrome um 1994 herum noch Dawnbreed hießen, war die Verwurzelung in der Hardcore-Szene offensichtlicher. Man spielte in besetzten Häusern und autonomen Zentren, schrieb sich groß DIY auf die Fahnen und lärmte vor sich hin. Bis auf letzteres hat sich nicht viel geändert. Noch immer ist das Punk-Prinzip DIY – Do It Yourself – vorherrschendes Arbeitsprinzip der Band, noch immer touren sie durch abgeranzte Autonome Zentren der Republik(en). Gleichwohl ist der Sound inzwischen ein völlig anderer. Mit jedem Album der Bandhistorie wurde Pop (im Sinne von: eingänglicher, melodiöser, mithin effektiver weil allgemeinverständlicher Musik) immer größer geschrieben. Wiesen auf dem letzten Album »éclat« aber noch Noisegitarren und eruptive Ausbrüche auf die Vergangenheit im Hardcore hin, hat sich »Caché« davon völlig gelöst. Noch nie haben es Monochrome einem so einfach gemacht. Man verwechsle das nicht mit es-sich-selber-einfach-machen. Auch »Caché« ist wieder ein Album mit Fallen, verwinkelten Strukturen und mehr Ebenen als Songs. Das Schöne aber ist: Das funktioniert sowohl beim Hardcore-Sozialisierten wie beim Pop-Fan.
Letztlich aber hängt alles von den besonderen Momenten ab, die »Caché« zur Genüge hat. Zum Beispiel wenn nach 45 Sekunden das kalte Staccato des Openers »Von Fall zu Fall« in die umarmende Weite des Duett-Gesangs übergeht. Oder wenn Kate Complicate in »Parallax«, dem vielleicht besten Song der Platte, zum ersten Mal »We are nowhere close« singt. Oder der für Monochrome vielleicht außergewöhnlichste Song des Albums »Knack«, der zwar Electronica-Störgeräusche einsetzt, dabei aber totgehörte Indietronica-Schluffies weit hinter sich läßt. Oder wenn bei »Zeitautomatik« kurz vor Ende der Chor einsetzt. Oder wenn du bei »Dinge wie sie sind« die Fäuste in die Luft reckst und dich sofort in den verschwitzten Moshpit deines lokalen Autonomen Zentrums wünschst. Das sind diese Momente, in denen man Monochrome selber zitieren will mit einer Line aus »High Five«: »Your melody always finds me.« It sure does!
Text: Alexander Vieß
Tracklist mit Anspieltipps